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Totale Sonnenfinsternis

am 29. März 2006

hier: Bilder von der Sonnenfinsternis


Bild 1: Der Verlauf der Sonnenfinsternis über der Türkei

Nach der ringförmigen Sonnenfinsternis vom 3. Oktober 2005 stand als nächstes größeres astronomisches Ereignis die Beobachtung und das Fotografieren der totalen Sonnenfinsternis vom 29. März 2006 auf dem Programm.

Bereits vor einem Jahr überlegte ich mir, wo ich diese Sonnenfinsternis beobachten sollte. Als der wettersicherste Standort wurde Libyen bzw. Ägypten genannt. Da aber auch die Totalitätszone über die schönen Strände der Türkei ging, entschloss ich mich, dieses astronomische Ereignis dort zu beobachten. Mit einer Wetterprognose von ca. 60 % auf gutes Wetter war die Vorhersage immer noch gut genug, sich für den Strand von Side zu entscheiden. Neben der Sonnenfinsternis sollten auch die kulturellen Stätten in diesem Landesabschnitt der Türkei erkundet werden.


So fuhren am 26. März 2006 meine Frau Elvi und ich zum Flughafen nach Düsseldorf und kamen nach ca. 3 ½ Stunden Flugzeit in Antalya/Türkei an. Wir hatten diese Reise über Wolfgang Meirich und Osman Benzer gebucht, die für wenig Geld  eine Woche All-Inclusive-Urlaub in einem 5 Sterne Hotel angeboten hatten.

Bereits am Flughafen und später auch im Hotel traf man sehr viele Bekannte aus der Astroszene, so dass man sich während des gesamten Urlaubsaufenthaltes mit den unterschiedlichsten Leuten über die ver-schiedensten Astrothemen unterhalten konnte.

Im Hotel trafen wir noch Monika und Antonius Recker sowie Thomas und Christian Brinkmöller vom Astrostammtisch in Recklinghausen. Wir entschlossen uns dazu, dass wir die Sonnenfinsternis zusammen beobachten wollten. Christian hatte bereits einen schönen Standort, direkt am Strand, etwas östlich von Side, ausgemacht. Dieser Platz wurde sofort in Augenschein genommen und für sehr gut befunden. Er lag etwas oberhalb des Strandes auf einer sehr kleinen Anhöhe. Man konnte mit seinem Mietwagen direkt vor fahren, so dass auch die Stromversorgung für die Montierung gesichert war. Nur zur Sicherheit wurden noch weitere Plätze ausgesucht, so dass man, falls irgendein Problem an den o.g. Platz auftauchen sollte, noch genügend Alternativen hatte. Diese Sorge war aber im Nachhinein grundlos.

Bild 2: Das Team von links nach rechts:

Ch. Brinkmöller, E. u. R.Sparenberg, T. Brinkmöller, A. und M. Recker

An dem Sonnenfinsternistag ging es dann sehr früh los. Bereits um 07.00 Uhr wurde das Frühstück eingenommen, so dass wir bereits gegen 07.30 Uhr an unserem Beobachtungsort  waren. Die Teleskope mit den Montierungen waren schnell aufgebaut, so dass man in aller Ruhe auf den Sonnenfinsternisbeginn warten konnte.

Bild 3: Der Platz am Strand, östlich von Side

Unsere Position lag auf  36° 45“ Nord und 31° 24 Ost und die Totalitätsdauer lag bei 3 Minuten und 45 Sekunden. Als Kontaktzeiten waren folgende Zeit berechnet worden:

 

1. Kontakt                        12:38:20 h OZ                         Höhe 56°

2. Kontakt                        13:54:57 h OZ            

Maximale Totalität          13:56:50 h OZ                         Höhe 54°

3. Kontakt                        13:58:43 h OZ

4. Kontakt                        15:13:31 h OZ                         Höhe 45°

 

(OZ= Türkische Ortszeit = Osteuropäische Sommerzeit = – 3 Stunden Universal Time (UT))


Als Ausrüstung hatte ich mich für folgende Geräte entschlossen:

1.  TMB Apochromat 115/805 mm, f/7 mit einer digitalen Canon 20D

2.      300mm Zeiss-Objektive auf Bl. 8 abgeblendet mit einer Canon 50

Beide Ausrüstungsgegenstände waren auf einer GP DX Montierung von Vixen befestigt.

3.      Mittelformatkamera Rollei SLX (6x6cm) mit einem 80/2.8 mm Plannar Objektiv

4.      Mittelformatkamera Pentax 67 (6x7cm) mit einem Zensia 30/4.0 mm Weitwinkelobjektiv

Die Mittelformatkameras waren jeweils auf einem Stativ montiert.

Alle Geräte waren mit einer Astro - Solar - Filterfolie mit einer Dichte von 3.8 ausgestattet. Dieser Filter wird beim 2. Kontakt abgenommen und beim 3. Kontakt wieder aufgesetzt, so dass während der Totalität ohne Filter fotografiert wird. Für das Beobachten und Fotografieren der Sonne ist sonst ein Filter unbedingt erforderlich.

Der TMB Apochromat war mein Hauptinstrument, mit dem ich insbesondere die Protuberanzen und die innere und mittlere Korona fotografieren wollte. Deshalb war die Schärfeeinstellung besonders wichtig. Für den Fall, dass zur Finsternis auf der Sonnenoberfläche kein Sonnenfleck vorhanden gewesen wäre, hatte ich bereits in der Nacht vor dem Finsternistag an den Sternen das Teleskop auf den richtigen Schärfepunkt eingestellt. Da aber aufgrund von Temperaturunterschieden diese Einstellungsmöglichkeit nicht optimal ist (der Fokus kann sich aufgrund von unterschiedlichen Temperaturen verändern) war ich froh, dass sich vor der Sonnenfinsternis drei Sonnenflecken zeigten. Es wurden nun mit unterschiedlichen Fokuseinstellungen mit der digitalen Canon 20D Fotos gemacht, die am Display in der höchsten Vergrößerungsstufe begutachtet wurden.

Bild 4: Der Refraktor mit dem 300mm Objektiv

Mit dem 300mm Zeiss Objektiv und mit der Canon 50 sollte die äußere und extreme Korona der Sonne aufgenommen werden.

Bild 5: Elvi mit den beiden Mittelformatkameras

Die beiden Mittelformatkameras wurden dazu benutzt, um Stimmungsaufnahmen von diesem Himmelereignis machen zu können.

Bei der Rollei-Kamera wurde von dem 1. bis zum 4. Kontakt alle 5 Minuten eine Aufnahme auf einem Bild gemacht. Da diese Kamera keine Mehrfachbelichtungstaste hat, musste sie bereits Zuhause vorbereitet werden. Hierbei wurde eine Rolle des Rollfilms mit einem 10mm Bohrer aufgebohrt, so dass der Motor der Kamera den Film nicht weiter bewegen konnte. Um nun den Film an der richtigen Stelle für eine Bildaufnahme zu haben, musste zuvor bei völliger Dunkelheit der Rollfilm eingelegt und mit der Hand bis zur empfindlichen Schicht des Films vorgespult werden. Nach der Belichtungsreihe muss der Film natürlich wieder bei völliger Dunkelheit mit der Hand aus der Kamera genommen und auf die Rolle gedreht werden.

Mit der Pentax 67-Kamera wurden nur während der Totalität mehrere Aufnahme mit unterschiedlichsten Belichtungszeiten gemacht. Hierdurch kann man sicher sein, dass immer ein Bild mit der optimalen Belichtungszeit dabei ist.

 

Da ich nicht alle Kameras zeitgleich bedienen konnte, war ich froh, dass Elvi auch dabei war und das Auslösen der beiden Mittelformat-kameras übernommen hatte.

Bei einer fotografischen Dokumentation einer Sonnenfinsternis sollte man aber immer daran denken, dass man sich auch Zeit für einen visuellen Eindruck nimmt. So war ich glücklich, dass Monika aus unserer Truppe kurz nach dem zweiten Kontakt sagte: „Schaut Euch die Berge an“. Ich guckte kurz hoch und sah, wie wir bereits in der Dunkelheit waren und die weit entfernten Berge goldgelb leuchteten. Leider ist die Totalitätsphase einer Sonnenfinsternis, egal wie lang sie ist, immer zu kurz, so dass man nicht alle Eindrücke sammeln kann. Nach der Totalität wurden noch die restlichen Fotos bis zum 4. Kontakt gemacht, so dass man die komplette Sonnenfinsternis fotografisch dokumentiert hatte.

Für Elvi und für mich waren die Eindrücke sehr vielfältig. Wir wussten nun, dass wir bei der Wolkenlochsonnenfinsternis vom 11. August 1999 eigentlich eine richtige Sonnenfinsternis nicht erlebt hatte. So waren wir froh, dass uns der Wettergott nicht im Stich gelassen hatte und uns eine fast wolkenlose Sonnenfinsternis bescherte.

 Die nächsten Tage in der Türkei nutzten wir noch für den Besuch von verschiedenen Sehenswürdigkeiten. Neben dem wunderschönen Amphitheater in Aspendos wurden auch die Wasserfälle in Düden, das Tubitak Observatory in den Taurus Bergen nahe Antalya und die Stadt Alanya besucht.


Bild 5: Das Observatorium von Tubitak, in der Nähe von Antalya

Bild 6: Das Amphitheater von Aspendos


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